Die Fakten: Ein als Frau geltender Mann (ja, das gibt es!) hat in der Frauenbadi im Berner Marzili einen medialen und politischen Wirbel ausgelöst.
Warum das wichtig ist: Der Vorfall, so nebensächlich er auch ist, ist ein Zeichen für die politische und mediale Problemwahrnehmung. Während derartige Randprobleme breit diskutiert werden und politische Massnahmen auslösen, droht die Schweiz die Lösung der wirklich wichtigen Probleme – beispielsweise Altersvorsorge, Sicherheit, Energieversorgung – zu verschlafen.

Randerscheinung
Es war absehbar: Selbst woke Feministinnen würden es eher nicht dulden, dass sich als Frauen deklarierte Männer in ihren Refugien – eben etwa die Frauenbadi im Berner Marzili – breitmachen. Der biologische Mann in der Frauenbadi wurde weggewiesen, wozu gar ein Polizeieinsatz nötig war. Die Stadt wusste allerdings nichts anderes zu tun, als sich darauf bei dem Mann zu entschuldigen, und drückte der Badeaufsicht Sonderausbildungen aufs Auge – auf Kosten des Steuerzahlers selbstverständlich.
So bezeichnend der Vorfall betreffend die woken und queeren Ideologien auch ist, ist er letztlich nicht mehr als eine Randerscheinung. Nur: Derartige Randerscheinungen, die es ins Zentrum des öffentlichen Interesses schaffen, gibt es fast beliebig viele.
Kampf gegen das Auto
So sagen etwa die Regierungen der rot-grün regierten Städte – das sind fast alle – mit Zürich und Bern an der Spitze, dem automobilen Privatverkehr den Kampf an. Es werden ganze Strassenzüge für den Privatverkehr gesperrt, Velostreifen auf Kosten des Autoverkehrs verbreitert, Parkplätze werden aufgehoben und vieles mehr.
Wenn sich dann die Steuerzahler und Gewerbebetriebe auf und davon machen, werden die links-grünen Verkehrspolitiker ratlos staunen – und die verbliebenen Steuerzahler noch stärker zur Kasse gebeten. Und der Nationalrat liess es sich bekanntlich nicht nehmen, stundenlang (!) über eine Volksinitiative zu diskutieren, die den Import von gestopfter Enten- oder Gänseleber (Foie gras) verbieten will. Die Liste derartiger «Petitessen» liesse sich fast beliebig verlängern.
Ein neutraler Beobachter ohne Vorkenntnisse der Schweiz muss ob derartiger medialer und politischer Schwerpunkte erstaunt zum Schluss kommen, dass die Schweiz ein glückliches Land und die Schweizer ein sorgenfreies Völklein sind. Welch unbeschwertes Leben muss da möglich sein, wenn dies die einzigen ernsthaften Probleme des Landes sind? Der Beobachter hat leider nicht recht. Das Drama am Ganzen ist, dass die Politik, und mit ihr die Medien, dazu neigen, den wirklich wichtigen Problemen der Gegenwart und Zukunft aus dem Weg zu gehen – sie sind eben nicht so einfach zu lösen.
Die Hauptprobleme
Da wären zunächst einmal an vorderster Front die Altersvorsorge, die unverdrossen auf den finanziellen Crash zusteuert. Die politische Linke, bis weit hinein in die Mitte, verniedlicht das Problem: Wir hätten doch genug Zeit zur Problemlösung, das Problem sei gar nicht so schlimm und überhaupt lägen genügend Mittel im AHV-Fonds – was nachweislich falsch ist.
Und in der Zwischenzeit wissen wir, dass auch die IV (Invalidenversicherung) auf den finanziellen Untergang zusteuert. Die Verniedlichung dieses Problems begann schon unter dem früheren Innenminister Alain Berset, der wider besseres Wissen beschwichtigt hat. Inzwischen sonnt er sich mit einem fetten Gehalt im Rampenlicht des Europarates in Strassburg.
Ebenfalls zu wenig Problembewusstsein ist – nicht nur auf der Linken – in Sachen Sicherheitspolitik gegeben. Die Armee muss dringendst aufgerüstet werden, aber bezahlen will niemand. Da ist es am einfachsten, das Problem zu verdrängen.
Schliesslich erhält auch die Energieversorgung, als drittes Beispiel, nicht die gebührende Aufmerksamkeit. Immerhin bemüht sich Energieminister Albert Rösti redlich, das Verbot des Baus neuer Kernkraftwerke zu kippen. Links-grün will ihm um keinen Preis folgen, sie hängen ihrer Illusion einer Versorgungssicherheit aufgrund von Sonnen- und Windenergie nach. Dies wider besseres Wissen. Heute – und schon lange – wissen wir, dass dies nicht möglich sein wird.
Ernsthafte Probleme wären genügend vorhanden, auch diese Liste liesse sich nach Belieben verlängern. Gewisse politische Kreise beschäftigen sich aber lieber mit Männern in Frauenbadis oder dem Verbot missliebiger Lebensmittel und Ähnlichem mehr, als sich den wirklich drängenden Problemen des Landes zu widmen.
Gefährliche Strategie
Dabei sehen sie nicht, dass sich unser nördlicher Nachbar mit ähnlichen politischen Schwergewichten schon seit Langem selbst in einen dramatischen wirtschaftlichen Deindustrialisierungsprozess manövriert hat. Die Schweiz ist auf «bestem» beziehungsweise schlechtestem Weg, die entsprechenden Fehler – Energiewende! – zu wiederholen. Solange Politik und Medien nicht in der Lage sind, die politischen Schwergewichte nach der Tragweite der realen Probleme zu richten, droht der Schweiz mittelfristig dasselbe Schicksal.
Oder wie ein gescheiter Kopf einst festgehalten hat: Es sei der Charme schweizerischer Wirtschaftspolitik, die Fehler des Auslands in gebührendem zeitlichen Abstand zu wiederholen – ein wahres Wort! Und nein: Die Schweiz ist nicht glücklich und sorgenfrei, sie neigt vielmehr dazu, die effektiven Probleme vor sich herzuschieben, genauer gesagt, sie zu verdrängen – eine gefährliche Strategie!