In Scharen drängten die Ratsmitglieder während der KKW-Debatte im Nationalrat ans Rednerpult. Vor allem unter den Atomgegnern war der Drang gross, sich vernehmen zu lassen (siehe hier). Dabei fielen uns am Montag einige eher skurrile Auftritte auf.
Fabian Molina (SP) gibt sich gerne als weltgewandter Politiker. Gestern Montag verhaspelte er sich aber ausgerechnet, als er darlegen wollte, dass in Europa seit der Jahrtausendwende ein einziges Kernkraftwerk ans Netz gegangen sei, nämlich in Finnland. Er sprach dabei vom «AKW Olikuoto». Klar, ein Zungenbrecher! Damit Molina es beim nächsten Mal besser machen kann, sei der Name hier buchstabiert: O-L-K-I-L-U-O-T-O.
Franziska Ryser (Grüne) prägte einen neuen Begriff: «Heimatenergien». Damit bezeichnete sie Strom aus Wasser-, Solar-, Wind- und Geothermie-Kraftwerken. Nur diese Energien würden aus heimischen Quellen stammen. Die dafür nötige Infrastruktur kommt zwar überwiegend aus China – man denke an Solarpanels und Windturbinen. Doch wir wetten, dass der Begriff bei den Linken noch eine grosse Karriere machen wird.

Anna Rosenwasser (SP) liess sich die Gelegenheit für einen Auftritt ebenfalls nicht entgehen – obwohl unklar ist, wo eigentlich ihre Kompetenzen beim Thema Energie liegen. Sie begrüsste die Anwesenden mit: «Liebe Damen bis Herren». Rosenwasser signalisierte damit, dass kein Thema zu abwegig ist, um nicht die eigene Zugeneigtheit zur Diversität hervorzuheben. Wir vermuten, dass es ihr bei ihrem Votum mehr um solche queeren Signale ging – und gar nicht so sehr um die Versorgungssicherheit.
Nik Gugger (EVP) behauptete, der Rückbau der AKW und die Entsorgung des radioaktiven Abfalls seien nicht ausreichend finanziert. Das waren Fake News, denn die AKW-Betreiber bezahlen pro Kilowattstunde je einen Rappen in den Stilllegungs- und Entsorgungsfonds, wie gesetzlich vorgeschrieben. Es gibt keine Finanzierungslücke. Gugger verwendete in diesem Zusammenhang doch tatsächlich den Begriff «Endlösung». Echt jetzt?
Manuela Weichelt (Grüne) hatte bei ihrem Auftritt Equipment dabei: Sie hielt zwei Schachteln mit Jodtabletten in die Höhe, welche die Bevölkerung bei einem Kernkraftunfall einnehmen müsse. Für sie sind die Tabletten der Beleg für den Schrecken der Atomkraft. Sogleich wurde Weichelt von Nationalrats-Vizepräsidentin Farah Rumy in den Senkel gestellt: Es sei verboten, Gegenstände ans Rednerpult mitzunehmen. Auf die Jodtabletten ging später auch Alois Huber (SVP) ein: Weichelt hätte angesichts der Qualität der Debatte wohl besser Kopfwehtabletten mitgebracht.
Jacqueline Badran (SP) erzählte dem Rat, dass ihre erste Demo im Jahr 1977 eine Protestaktion gegen das AKW Gösgen gewesen sei. Damals sei ihr ein «Typ mit einem Megafon» aufgefallen, der ihr sehr vertrauenswürdig vorgekommen sei. Als sie 2011 nach ihrer Wahl ins Parlament in die Energiekommission gekommen sei, sei ihr derselbe Mann gegenüber gesessen: Filippo Leutenegger – der nun in der Atomdebatte aber die Seiten gewechselt habe.
Jon Pult (SP) war der allerletzte der 99 eingeschriebenen Einzelredner. Bei den spärlich vorhandenen Anwesenden im Nationalratssaal löste er ein Gähnen aus, als er ankündigte, nun gleich zehn Gründe vorzubringen, weshalb neue Atomkraftwerke keine Lösung seien. Immerhin: Pult hielt sich dann relativ kurz – sodass die fast endlose AKW-Debatte doch noch wie vorgesehen um 19 Uhr beendet werden konnte.