Die Themen diese Woche:
- Der bekannteste Klimawissenschaftler der Schweiz hat einen Interessenkonflikt
- Mit mehr Klimaanlagen könnte man in Europa jedes Jahr Zehntausende Menschen retten
- Economiesuisse: Ein neues AKW brächte der Schweiz einen beachtlichen volkswirtschaftlichen Nutzen
- Unsinnig teure CO₂-Abscheidung der Stadt Zürich scheitert im Vergabeverfahren
Der bekannteste Klimawissenschaftler der Schweiz hat einen Interessenkonflikt
Worum geht es?
- Reto Knutti, Klimaforscher an der ETH Zürich, ist Mitglied im Stiftungsrat des WWF Schweiz (siehe hier ) . Der Stiftungsrat ist das oberste Führungsorgan der Umweltorganisation, legt deren langfristige Ausrichtung fest und entscheidet über wichtige Grundsatzfragen.
- Knutti ist der bekannteste Klimawissenschaftler des Landes und geniesst bei seinen häufigen Medienauftritten das Image eines unabhängigen Forschers .
- Immer wieder bezieht Reto Knutti aber politisch Stellung – so etwa 2023, als er sich zusammen mit 200 anderen Wissenschaftlern für das Klimaschutzgesetz aussprach, das die Verankerung des Netto-Null-Ziels der Schweiz im Gesetz vorsah (siehe hier ). Er lag damit ganz auf der Linie des WWF.
- Ende Juni sagte er in einem Porträt von SRF zur Hitzewelle mit Temperaturen bis 39 Grad: «Was wir jetzt sehen, ist ganz klar das, was wir seit Jahrzehnten voraussagen.» (siehe hier ) Auch diese Aussage war absolut im Sinne des WWF.
- Der «Nebelspalter» fragte Knutti, wie er als Klimaforscher glaubwürdig sein wolle, wenn er gleichzeitig als Stiftungsrat einer Organisation amtiert, die politisches Lobbying genau in seinem Fachgebiet Klima betreibt.
- In seiner Antwort betont Reto Knutti, dass das Mandat des Stiftungsrates unbezahlt sei. «Ich habe als Wissenschaftler keinen professionellen oder finanziellen Nutzen von der Arbeit der Stiftung.»
- Als Wissenschaftler habe er aber neben Lehre und Forschung die Aufgabe, «unser Wissen der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen», schreibt der ETH-Professor weiter. «Ich vernetze in die Wissenschaft und stelle meine Expertise dem WWF zur Verfügung, so wie ich sie auch Ihnen beim Nebelspalter zur Verfügung stelle.» Der Vergleich hinkt: Knutti sitzt bis jetzt im Gegensatz zum WWF in keinem Führungsgremium des «Nebelspalters».

Kommentar: Als ich hörte, dass Reto Knutti im Stiftungsrat des WWF sitzt, konnte ich es zuerst nicht glauben . Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein Klimaforscher mit einem solchen Renommee einen so offensichtlichen Interessenkonflikt in Kauf nimmt. Natürlich hat Knutti das Recht, im obersten Führungsgremium einer politischen Pressure-Group aktiv zu werden. Nur kann er so nicht mehr als unabhängiger Forscher gelten. Er ist nur noch ein gewöhnlicher Propagandist .
Mit mehr Klimaanlagen könnte man in Europa jedes Jahr Zehntausende Menschen retten
Worum geht es?
- Die hohen Temperaturen sind derzeit allgegenwärtiges Thema in den Medien. Dabei wird stets ein angeblicher Zusammenhang der Hitzewelle mit dem Klimawandel gezogen.
- Besonders im Fokus stehen Todesopfer wegen der heissen Phase. So konnte man letzte Woche lesen, die Juni-Hitzewelle habe in der Schweiz zu 200 zusätzlichen Todesfällen geführt (siehe hier ). Auch in anderen europäischen Ländern werden zahlreiche Hitzetote beklagt.
- Der Eindruck täuscht nicht: Europa verzeichnet mit jährlich 655 Opfern pro zehn Millionen Einwohnern von allen Kontinenten weitaus am meisten Hitzetote, wie eine internationale Studie vor zwei Jahren ergeben hat (siehe hier ). Weltweit sind es nur 236 Tote pro zehn Millionen Einwohner. Der offensichtliche Grund für die vielen Todesopfer ist, dass Klimaanlagen in Europa kaum verbreitet sind – denn in den USA oder Japan, wo die Bevölkerung ähnlich überaltert ist, aber viele Klimaanlagen im Einsatz sind, gibt es viel weniger Hitzetote.
- Der amerikanische Umweltwissenschaftler Roger Pielke Jr. hat aufgrund von Erfahrungswerten abgeschätzt, wie viele Menschen in Europa im Hitzesommer 2022 hätten gerettet werden können, wenn mehr Klimaanlagen installiert gewesen wären (siehe hier ): Bei einer Abdeckung von 40 Prozent statt nur 19 Prozent der Haushalte mit Klimaanlagen hätte es statt gezählte 61’672 nur 54’826 Hitzetote gegeben. Bei einer Abdeckung von 76 Prozent wie in den USA wären es sogar nur 35’599 Todesopfer gewesen. Und bei einer Abdeckung von 90 Prozent wären nur 26’906 Menschen gestorben. Das bedeutet 34’766 gerettete Personen .
- Hierzulande wollen aber insbesondere linke und grüne Politiker nichts wissen von mehr Klimaanlagen, weil diese angeblich selbst klimaschädlich sind. So hat die Grüne Partei soeben eine Kampagne gegen Hitze mit zahlreichen Massnahmen lanciert (siehe hier ). Der Bau von Klimaanlagen kommt dabei aber nicht vor.
- SP-Nationalrätin Gabriela Suter wiederum hat betont, dass Klimaanlagen keinesfalls zur «Standardantwort» auf den Klimawandel werden dürften (siehe hier ).
Kommentar: Besonders Links-grün beschwört während den gegenwärtig heissen Tagen ständig den Klimawandel und prophezeit, dass es bald noch viel mehr Hitzetote gebe. Die weitaus wirksamste Methode, um die Menschen vor der Wärme zu retten, nämlich der Einbau von Klimaanlagen, verschmähen solche Politiker aber aus ideologischen Gründen. Vermutlich könnte man so aber in Europa jedes Jahr weit mehr als 10'000 Menschenleben retten. Pointiert gesagt: Grüne Politik tötet.
Economiesuisse: Ein neues AKW brächte der Schweiz einen beachtlichen volkswirtschaftlichen Nutzen
Worum geht es?
- Ein neues AKW würde der Schweizer Wirtschaft jährlich 1,6 Milliarden Franken einbringen und 2900 Arbeitsplätze schaffen. Das sagt eine neue Studie des Büros BAK Economics im Auftrag des Wirtschaftsdachverbands Economieuisse (siehe hier , hier und hier ).
- Die Studie geht davon aus, dass ein Kernkraftwerk des Typs EPR mit einer Leistung von 1,63 Gigawatt gebaut würde, das 2050 ans Netz ginge und 14,4 Milliarden Franken kostet.
- Der Bau und Betrieb des neuen AKW wäre zwar nur mit staatlichen Subventionen möglich – konkret mit 625 Millionen Franken pro Jahr. Dieser Förderbedarf wäre gemäss Economiesuisse anteilsmässig etwa gleich hoch wie bei den erneuerbaren Energien.
- Jeder eingesetzte Förderfranken würde aber einen volkswirtschaftlichen Nutzen von bis zu 5.20 Franken erzeugen. Rund 51 Prozent der Baukosten würden zudem als Wertschöpfung in der Schweiz bleiben.
- Der volkswirtschaftliche Nutzen würde neben der zusätzlich ausgelösten Wertschöpfung darin bestehen, dass die Haushalte und Unternehmen viel Geld durch tiefere Stromkosten sparen könnten, dass Bund, Kantone und Gemeinden zusätzliche Steuern einnehmen würden, dass die Stromversorgung zuverlässiger würde (insbesondere im Winter) und dass die angestrebte Dekarbonisierung leichter umgesetzt werden könnte.
Kommentar: Die Studie kommt zur richtigen Zeit. In den letzten Wochen, als im Parlament über die Aufhebung des AKW-Neubauverbots diskutiert wurde, behaupteten Atomgegner ständig, neue Kernkraftwerke seien viel zu teuer und schädlich für die Schweiz. Nun belegt eine nüchterne Rechnung, die auch wichtige volkswirtschaftliche Vorteile wie eine sichere Versorgung einbezieht, dass das Land von einem neuen KKW beträchtlich profitieren würde. Das liefert denjenigen, die das Neubauverbot streichen wollen, starke Argumente für die anstehende Volksabstimmung.
Um zum Schluss noch dies:
2024 hat die Stadt Zürich ein angebliches Pionierprojekt in Sachen Klimaschutz angekündigt: Jährlich sollten bis zu 25’000 Tonnen CO₂, das bei der Verbrennung von Klärschlamm in der Abwasserreinigungsanlage Werdhölzli anfällt, abgeschieden und per Lastwagen nach Dänemark gebracht werden, um es dort in unterirdischen Stätten im Meer dauerhaft zu lagern. «Wir schreiben damit Zürich Klimageschichte», lobte sich Stadträtin Simone Brander (SP).
Die Kosten waren mit horrenden 613 Franken pro Tonne CO₂ veranschlagt, was rund achtmal mehr war, als ein entsprechendes Emissionszertifikat kosten würde. Ich habe dieses Projekt damals in einem Artikel als «Wohlfühlprojekt» bezeichnet (siehe hier ). Doch die Stimmbevölkerung der Stadt Zürich hörte nicht auf mich und segnete das Unterfangen kurz danach mit 75 Prozent Ja ab.
Im letzten Oktober startete dann eine öffentliche Ausschreibung , bei der ein Unternehmen gesucht wurde, das die CO₂-Abscheidungsanlage baut und das Projekt integral betreut. Doch es meldete sich niemand. Letzte Woche nun hat der Stadtrat beschlossen, das Vergabeverfahren abzubrechen und das Projekt auf unbestimmte Zeit zu verschieben (siehe hier und hie r). «Aufgrund der Komplexität des Vorhabens und des grossen Klärungsbedarfs zu technischen Spezifikationen konnte der Auftrag nicht vergeben werden», hiess es seitens der Stadt.
Bei mir stellt sich eine gewisse Genugtuung ein. Das unsinnig teure Klimaprojekt ist also bereits an den gesetzten bürokratischen Hürden gescheitert. Gut so!
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Alex Reichmuth
alex.reichmuth@nebelspalter.ch