Die Fakten: Auf eine Frau kommen in der Schweiz 1,3 Kinder. Insgesamt ist die Geburtenrate im Westen zusammengebrochen.
Warum das wichtig ist: Machen wir uns nichts vor: Das ist ein demografischer Selbstmord einer ermatteten Zivilisation. Woran liegt es? An unserer gottlosen Kultur.
Wir Schweizer sterben aus, wenn es so weitergeht.
Inzwischen liegt die Geburtenrate so tief wie nie zuvor, worauf eine Studie der Swiss Life diese Woche hingewiesen hat:
- unsere Frauen haben im Schnitt noch 1,3 Kinder.
- 1960, kurz vor dem sogenannten Pillenknick, waren es 2,4, das kommt nahezu einer Halbierung gleich.
Das ist spektakulär, das ist bedrückend, zumal 2,1 Kinder pro Frau nötig wären, um die Bevölkerungszahl auf natürliche Weise zu erhalten.
Gewiss, die Schweiz stellt keinen Sonderfall dar. Vielmehr ist die Geburtenrate in so gut wie allen westlichen Ländern zusammengekracht:
- Deutschland bringt es auf 1,4 Kinder,
- Italien bloss auf 1,2 Kinder
- und selbst die USA, die sich lange diesem demografischen Selbstmord entzogen haben, kommen mittlerweile nurmehr auf 1,6 Kinder.
Wenn es eine Ausnahme im Westen gibt, dann Israel, wo selbst säkulare Frauen 2 Kinder zur Welt bringen, wogegen es bei den Religiösen 6 bis 7 Kinder sind.
Woran liegt es?
Wenn man die Antworten hört, die die Forscher der Swiss Life in ihrer Umfrage unter 18- bis 45-Jährigen erhalten haben, dann stechen zwei heraus, die insbesondere Kinderlose als Begründung anführen:
- die «Weltlage»
- und eine «zu hohe zeitliche Belastung».
Ist das nicht ironisch?
Wenn man weiss, dass die gleiche Generation in einem der sichersten und wohlhabendsten Länder der Welt lebt und eher bekannt dafür ist, dass sie mit therapeutischer Gewissenhaftigkeit auf ihre Work-Life-Balance achtet, dann fragt man sich: In welchem Quartier des Nirwana leben denn diese Leute? Dennoch ist ihr subjektiver Eindruck ernst zu nehmen, umso mehr, als wir daraus etwas lernen.
- Wer Kinder zur Welt bringt, glaubt an die Zukunft, wer das nicht tut, zweifelt daran.
So einfach ist das.
Das lehrt nicht zuletzt die Geschichte: Herrschte Krieg, verzichteten die Menschen auf Kinder, kam es zum Frieden und es ging wieder aufwärts, nahm auch die Zahl der Geburten zu.
Seltsam mutet heute nur an – ich habe es erwähnt: im Westen merken wir kaum etwas von den Kriegen, die anderswo wüten, und so schlecht liegen die Dinge wirtschaftlich nicht, vor allem in der Schweiz, dass die Jungen sich vorsehen müssten. Das Risiko, mit sechs Kindern in einer 1-Zimmerwohnung zu verhungern, ist sehr überschaubar.
Aber daran mag es mangeln:
- An der Freude, ein Risiko einzugehen, wie zahlreiche Untersuchungen in den USA nahelegen.
Die Generation Z (zwischen 1995 und 2010 geboren) ist depressiver, auf viel mehr Sicherheit bedacht, braver (kein Alkohol, keine Drogen, kein Sex), kurz: trauriger als jede Generation vor ihnen. Wer so traurig ist, traut sich auch keine Kinder zu, sie zögert, er hinterfragt, sie schreckt zurück, bis es nicht mehr möglich ist, ein Kind zu kriegen.
- «Warum syt dir so truurig?» möchte man mit Mani Matter fragen, der dieses Lied zu Beginn der 1970er Jahre geschrieben hat, aber nie aufnahm, weil er vorher tödlich verunfallt war:
- «Nei, dir wüsset ke grund.»
Um diesen Untergang zu erklären, den unsere Gesellschaft da freiwillig wählt, – und machen wir uns nichts vor, denn das ist es – haben sich manche Wissenschaftler den Kopf zerbrochen.
Vor kurzem kam eine Studie heraus, die recht plausibelnachwies, dass die Geburten ausgerechnet dann absackten, als das Smartphone aufkam, dieses anti-sozialste Wunderding der Gegenwart.
Weil unsere Jungen nurmehr im Internet leben, keine Freunde mehr treffen und sich neuerdings in ChatGPT verlieben, sind sie gar nicht mehr in der Lage, eine Familie zu gründen. Familie? Das ist das, was man aus YouTube kennt.
So plausibel dieser Befund ist, ganz zu überzeugen vermag er mich nicht.
Geht es nicht tiefer, haben nicht wir Eltern dieser Generation Z – und unsere Eltern zuvor – die Misere eingeleitet?
- Wir sind gottlos,
- wir sehen nirgendwo mehr einen verbindlichen Sinnunserer Existenz,
- und wenn wir von höheren Zwecken reden, dann sind das Velowege gegen den Klimawandel oder die Entfernung von angeblich rassistischen Hausschildern, um den Faschismus zu bekämpfen: Das lebten wir unseren Kindern vor.

Irgendwann musste es so weit kommen, dass eine Jugend ohne Gott sich selbstbestimmt in die Hölle stürzt.
Oder um es mit Mani Matter zu sagen:
- «Warum syt dir so truurig?
Nei, dir wüsset ke grund
Vilicht, wenn der e Grund hättet
Wäret der weniger truurig
Mänge, wenn ds läben ihm wehtuet
Bsinnt sech derdür wider dra»
Ich wünsche Ihnen einen beschwingten Wochenstart
Markus Somm
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