Zum Inhalt springen

Unsere Landwirtschaft ist eine sowjetische Planwirtschaft. Das müsste sie nicht sein. Das Beispiel Hess in Dürnten.

Der Artikel kritisiert die zunehmende Regulierung, die Abhängigkeit von Direktzahlungen und die Zollpolitik in der Schweizer Landwirtschaft, die nach Ansicht des Autors die Bauern von unternehmerischen Akteuren in abhängige Staatsbedienstete verwandelt. Als Gegenbeispiel dient der Bühlhof ...

Unsere Landwirtschaft ist eine sowjetische Planwirtschaft. Das müsste sie nicht sein. Das Beispiel Hess in Dürnten.
Veröffentlicht:

Die Fakten: Die schweizerische Landwirtschaftspolitik setzt zunehmend auf Regulierung, Direktzahlungen und Zölle.

Warum das wichtig ist: Bauern sind keine Staatsangestellten und keine Kinder, sondern Unternehmer. Das zeigt ein Hof im Kanton Zürich.

Ich hatte vergangene Woche das Glück, einen famosen Bauernbetrieb zu besuchen, den Bühlhof der Familie Hess in Dürnten. Dieser Ort liegt im Zürcher Oberland , und wenn man wie ich an einem sonnigen Tag hierher gerät, könnte man meinen, man hätte aus Versehen das Paradies gefunden:

Die Bauern empfangen mich in schwarzen T-Shirts, «Hess Select» steht darauf, und der Name scheint Programm: Man ist stolz hier, zu einem winning team zu gehören.

Tatsächlich sind das keine Jammer- und Glünggi-Bauern :

Der Bühlhof ist ein blühendes Unternehmen , wo die heutige Geschäftsführerin, Ramona Hess , sich nicht dafür entschuldigt, dass sie Geld verdienen will – und das auch kann. Hier ist eine kapitalistische Firma zu besichtigen, kein Staatsbetrieb und keine Kinderkrippe.

Man könne «nicht alles machen» , sagt ihr Vater, Robert Hess , – auch das Geheimnis des erfolgreichen Bauerntums liegt in der Fokussierung, im Wissen, was man am besten und am profitabelsten beherrscht.

1991 hat Robert Hess den Bühlhof gekauft. Dafür musste er, Sohn eines Kleinbauern, einen beachtlichen Kredit aufnehmen, der ihm eine mutige, also tüchtige Bank vorstreckte. Wenn man heute mit einem solchen Anliegen zur Bank käme, kein Bankier, der noch bei Verstand ist, würde Hess auch nur anhören, zumal diese Branche inzwischen der Landwirtschaft gleicht – was den Regulierungs-Irrsinn betrifft. Und wo immer die Beamten sich mit gutgemeinten Vorschriften oder mit nicht so gutgemeinten Auflagen ins Geschäft einmischen, verlieren die Unternehmer und Manager den Biss , die Eigenverantwortung , die Risikofreude .

In der Landwirtschaft ist es mittlerweile so, dass ein Bauer jeden Tag 3000 Kontrollpunkte überprüfen und einhalten muss, wie mir Ramona erzählt.

3000!

Ist das noch ein Leben?

Wahrscheinlich ist den meisten Beamten und Politikern gar nicht bewusst, wie zerstörerisch ihr Wille zu allgemeinen Weltverbesserung sich auswirkt. Es sind ja nicht nur die vielen Vorschriften, die etwa einem Bauern den Beruf versauern , sondern peu à peu verändern sie dessen Mentalität:

Übrigens haben diese «Inspektoren» meistens keine Ahnung. Einmal schickten die Behörden eine Kontrolleurin, die sich durch eine besondere Ignoranz auszeichnete. Als Hess fragte, was für einen Beruf sie denn habe, erfuhr er: Goldschmiedin . Er jagte sie vom Hof.

Sponsored Content
Entspannt weiter fahren
Der Leapmotor B10 Hybrid EV fährt immer elektrisch – nimmt aber für lange Strecken einen Benzinmotor als Stromgenerator mit. Dank dieser Kombination gehört Reichweitenangst der Vergangenheit an ohne dass auf das dynamische Fahrgefühl eines Elektroautos verzichtet werden muss.

Wir betreten den Stall – und mit einer gewissen Verwunderung muss ich lernen, dass das ein Stall sein soll:

Denn hier geht ums Geschäft , nicht um Romantik , um Zahlen und eine Bottom Line . Davon versteht Ramona Hess einiges, zumal sie eigentlich eine Bankerin ist, die zuvor jahrelang auf einer Bank tätig war. Ihr muss man nichts vormachen, umso mehr regt sie sich über die Agrarbürokratie auf, wo Beamten ihr das Geschäft verderben.

Stattdessen herrscht hier die sowjetische Planwirtschaft , es wird die Produktion gesteuert und die Preise festgelegt, als gäbe es keinen Markt. Und wie seinerzeit in der Kolchose haben sich die Bauern seltsame Dinge gefallen zu lassen:

In jedem normalen Geschäft geht der Unternehmer von seinen Kosten aus und schlägt dann eine Marge drauf, den Bauern dagegen wird zuerst ein Preis aufgezwungen , und ob die Kosten mit diesem Preis realistischerweise in Einklang zu bringen sind, ist sein Problem. Als würde man dem Bauern misstrauen und ihn für einen besonders schlimmen Ausbeuter halten. Dabei würde der Markt ohnehin dafür sorgen, dass der Bauer seine Kosten im Griff behält , schliesslich möchte er so viel Umsatz wie möglich machen.

Mehr Marktwirtschaft beförderte die Innovation auch in der Landwirtschaft, das belohnte den tüchtigen Bauern, und strafte jenen ab, der schlecht bauert.

Der tüchtige Bauer.

In Dürnten werden die Kühe gar fürs Geschäft eingespannt: Zumal sie sich selber melken , was kostengünstiger ist. Dafür kommen mehrere Roboter zum Einsatz. Wenn ich meine agrarromantischen Vorstellungen über das Bauerntum je verloren habe, dann jetzt, da mir Ramona Hess ihre Melkmaschinen vorführt:

Dass das der Fall ist, mag man daran erkennen, dass die Kühe den ganzen Tag immer wieder zum Melken kommen. Ein Chip in ihrem Ohr, den die Maschine sofort liest, gibt allerdings an, wie oft schon, – und falls es zu oft war, geht das Gatter auf, ohne dass die Kuh gemolken worden ist. Sie dürfen nur drei Mal pro Tag . Doch wie mir die Kühe nachher zugesteckt haben: Sie würden gerne fünf Mal.

Wer wissen will, wie moderne Landwirtschaft geht, muss den Bühlhof kennenlernen. Ich bin sicher, die Familie Hess würde ihn noch so gerne anderen zeigen, die ebensowenig von Landwirtschaft verstehen wie ich. An dieser Stelle: Danke für Eure Gastfreundschaft! Es war in jeder Hinsicht ein erhellender Tag .

Und was die Bauern trifft, gilt nach wie vor, was der grosse Schweizer Autor Jeremias Gotthelf geschrieben hat:

«Wo der Bauer verfällt, verfällt das Land.»

Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen Tag

Markus Somm


Wer es genauer wissen will:

Täglich in der Mailbox

Somms Memo gibt's auch als Newsletter