Die Hauptaussage: Ross Douthat, Kolumnist bei der New York Times, legte bei der Alliance for Responsible Citizenship (ARC) in London dar, wie Gesellschaft und Kultur auf die Digitalisierung reagieren. Das Internet und die damit verbundenen Geräte seien Ersatz für echte Kontakte, Ablenkung von der realen Welt und machten überflüssig, was die westliche Kultur ausmache.
Die Lösung: Douthat fordert eine Reaktion der Gesellschaft, eine Rückkehr zu einer positiven, menschlichen Lebenseinstellung, zum Glauben an die Menschheit, an einen kosmischen Zweck oder an Gott.
Warum das wichtig ist: Das unerbittliche Vordringen der digitalen Technologie führt zu dem, was Douthat eine «Massenvernichtung» von kulturellen Gewohnheiten, Verhaltensweisen und sogar ganzen Nationen nennt. Phänomene, die einst als selbstverständlich galten – wie Heirat, Familiengründung und das Fortbestehen von Kunstformen – erfordern nun bewusste Anstrengungen, um zu überleben.

Die Details: Douthat identifiziert drei Kräfte, die unsere «digitale Existenz» prägen:
- Ersatz: Digitale Güter ersetzen zunehmend reale, persönliche Erfahrungen.
O-Ton: «Online-Dating hat viele glückliche und erfolgreiche Ehen hervorgebracht, aber insgesamt ist die Kultur des Online-Datings als Mechanismus, um Männer und Frauen zusammenzubringen, minderwertiger im Vergleich zu einer Kultur, die Schule, Kirche, Gemeinschaftsorganisationen, Familienmitglieder und soziale Netzwerke betont hat.»
- Ablenkung: Die ständige Verfügbarkeit und das süchtig machende Design digitaler Produkte machen es «unglaublich schwer, auszusteigen», selbst wenn man ihre Unterlegenheit gegenüber realen Kontakten erkennt.
O-Ton: «Sie sind darauf ausgelegt, süchtig zu machen, Ihnen Dopamin-Kicks zu geben, Sie endlos durch den Bildschirm scrollen zu lassen und Stunden, Tage und grosse Teile Ihres Lebens zu verlieren.»
- Verlust: Mit dem Aufkommen der Künstlichen Intelligenz werden menschliche Fähigkeiten in den Bereichen Schreiben, Kunst und Produktion zunehmend überflüssig.
O-Ton: «Je weiter die KI voranschreitet, desto mehr erscheint tatsächliches menschliches Engagement für Produktion, Schreiben, ästhetische Schöpfung (...) unnötig.»
Das grosse Ganze: Diese digitalen Kräfte, kombiniert mit einer bereits existierenden Glaubenskrise, schaffen ein Umfeld von «Orientierungslosigkeit und Verzweiflung». Douthat warnt, dass viele Kulturen und Nationen in den nächsten 50 Jahren aufgrund demografischer Rückgänge aufhören könnten zu existieren, wenn sie nicht aktiv gegensteuern.
Was kommt als Nächstes: Laut Douthat liegt die Lösung in «Handlungsfähigkeit und Intentionalität», die durch Glauben angetrieben wird – sei es der Glaube an die Menschheit, an einen kosmischen Zweck oder an Gott.
Was heisst das?
- Douthat prognostiziert, dass wir in eine Art «evolutionären Engpass» eintreten, in dem Kulturen und Institutionen, denen es an Glauben und Optimismus mangelt, «einfach verschwinden werden».
O-Ton: «Die Geschichte der nächsten 25 bis 50 Jahre wird sehr wahrscheinlich eine Geschichte des Massensterbens sein.»
Das Fazit: Douthat warnt, dass nicht alle Glaubenssysteme gleich sind. Der «kosmische Optimismus» des Silicon Valley und der KI-Entwickler könnte im Widerspruch zum traditionellen westlichen Glauben stehen. Er schloss mit einer biblischen Ermahnung zur bewussten Entscheidung für das Leben.
O-Ton: «Ich habe euch heute Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt. Darum lasst uns alle das Leben wählen, damit wir und unsere Nachkommen leben können.»
Die 2023 gegründete «Alliance for Responsible Citizenship» (ARC) ist ein globales Netzwerk von Führungskräften, die sich dafür einsetzen, positive und praktische Lösungen für die grössten Herausforderungen unserer Zeit zu entwickeln. Seit ihrer Gründung im Jahr 2023 ist die ARC erheblich gewachsen. Was bei der Eröffnungskonferenz in London mit 1500 Teilnehmern begann, wuchs bis 2026 auf mehr als 4000 Führungskräfte aus 96 Ländern an.