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Die Fussball-WM: Krieg der Sternchen – Vom Schützengraben ins Stadion

Die Fussball-WM: Krieg der Sternchen – Vom Schützengraben ins Stadion
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«Krieg dem Kapitalismus!», «Krieg dem Patriarchat!», «Krieg den Hämorrhoiden!»: In Zeiten, als wir in Europa tiefenentspannt von der Friedensdividende zehren durften und bewaffnete Konflikte bestenfalls aus dem TV kannten, wurde der Begriff «Krieg» geradezu inflationär, kontextbefreit und mitunter ziemlich pietätlos verwendet. Sogar in der an sich friedlichen Yoga-Stunde musste ich mich jeweils durch die anstrengenden «Krieger»-Varianten quälen, was meine Muskeln und meinen Gleichgewichtssinn zuweilen gehörig an den Anschlag brachte.

Heute ist Krieg auch im friedensverwöhnten Westen wieder zur Realität geworden, in der Ukraine, gerade mal zwei Flugstunden von Zürich-Kloten entfernt. Ein Angriff Russlands auf ein NATO-Mitglied scheint nicht mehr unwahrscheinlich. Kein Wunder, rüsten die meisten europäischen Staaten auf wie von der Tarantel gestochen (oder sagen zumindest, dies tun zu wollen). Ausser die Schweiz, wo Sicherheitspolitik mehr als buchhalterische Übung verstanden wird.

Das Runde muss ins Eckige

Und während sich im Nahen Osten Amis und Iraner gegenseitig auf den Deckel resp. auf den Stahlhelm geben, findet in den USA die Fussball-WM statt. Eine angeblich friedliche Sportveranstaltung, die unter den aktuellen Vorzeichen jedoch einer Verlagerung des Kriegsschauplatzes ins Stadion gleichzukommen scheint. Denn zu den qualifizierten Teilnehmern des aufgeblähten Mega-Events gehört auch der Iran. Ein Land, dessen Bevölkerung gemäss dem US-Präsidenten zu 98 % aus Terroristen, Vergewaltigern und Hundefressern besteht.

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Der aus dem wilden Westen der Schweiz stammende Fussball-General Infantino konnte den im wilden Westen der Welt herrschenden Präsidenten Trump zwar mit Mühe dazu bringen, die Iraner in den USA spielen zu lassen. Logieren müssen sie jedoch in Mexiko, dem Land, dessen Bevölkerung gemäss dem US-Präsidenten zu 98 % aus Drogenhändlern, Vergewaltigern und Hundefressern besteht. In dem Land, wo man sich vor der Gewalt der Kartelle mehr fürchtet als vor der Gewalt englischer Hooligans und Montezumas Rache (einer üblen Durchfallerkrankung, die nicht nur durch den Verzehr von Hunden hervorgerufen wird).

11 Freunde müsst ihr sein

So müssen die Kicker der Islamischen Republik also vor jedem Match durch das nervenaufreibende Prozedere der US-amerikanischen Grenzkontrollen. Möglicherweise müssen sie sogar für jedes Spiel ein neues Visum beantragen, wobei ihnen Breel Embolo unter Umständen mit wertvollen Tipps behilflich sein könnte. Sind sie dann mal im Land, droht ihnen die sofortige Deportation nach Guantánamo oder Erschiessung durch die Cowboy-Truppe des Immigration and Customs Enforcement (ICE). Sollten sie dann doch mit elf wackeren Kriegern zum Spiel antreten können, bleibt den persischen Balltretern wohl immerhin ein Tinnitus verursachendes Pfeifkonzert erspart. In Anbetracht der galaktischen Ticket-Preise ist nämlich damit zu rechnen, dass die Stadien ausser in den sportlich desinteressierten Sponsoren-Blöcken weitgehend leer bleiben.

ESTA-Formulare, unfreundliche Behörden, eine noch unfreundlichere Regierung und schlechtes Essen: Überhaupt scheinen die Gastgeber ja alles daran zu setzen, dass die echten Fans dem Anlass fernbleiben. Wer nun aber behauptet, es sei ein Eigengoal der FIFA, den wichtigsten Anlass in einem Land durchzuführen, in dem der Fussball in etwa den gleichen Stellenwert geniesst wie Eishockey in Somalia, der sieht das grosse Ganze nicht. Denn natürlich geht es bei einer Fussball-WM längst nicht mehr um Sportliches, sondern hauptsächlich um Kommerz, Macht und Selbstdarstellung. Und wer sonst, ausser dem Präsidenten des Gastgeberlandes und dem Präsidenten des Weltfussballverbands, verkörpert diese «Werte» in perfektionierter Reinkultur?

Aktuelle Ausgabe: «Die Schweiz rüstet auf»

In der neuesten Ausgabe des Nebelspalter-Magazins geht es um die Schweiz im Ernstfall: Ein satirischer Blick auf Krieg und Frieden. Während Europa aufrüstet und der Krieg in der Ukraine kein Ende findet, fragt der Nebelspalter: Ist die Schweiz bereit für ein Kriegsszenario? Wie viele Raviolidosen lagern Sie im Keller? Und funktioniert Neutralität auch als Schutzschild gegen Drohnen?

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Die Buchmacher ereifern sich wieder in ihren Prognosen. Die grössten Chancen werden Frankreich eingeräumt, obwohl Trump Macron doof findet. Und den Spaniern, obwohl Trump Sozialisten hasst. Den Niederländern werden Aussenseiterchancen zugerechnet, obwohl ihre Trikots die gleiche Farbe haben wie Trumps Gesicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Schweiz Weltmeister wird, beläuft sich gemäss den Wettquoten auf 1,6 %. Aber eigentlich spielt es keine Rolle, wer am 19. Juli den Pokal stemmen darf. Denn der wahre Gewinner der WM steht bereits fest. Der ist Schweizer und heisst Gianni Infantino. 

Getreu dem Credo seines (ebenfalls aus dem Wallis stammenden) Vorgängers «s’isch güet für dr’Füessboll» hat er das Teilnehmerfeld mit einer technokratischen Blutgrätsche auf 48 Nationen hochgefahren. Sicher nicht, weil Länder wie Curaçao, Kap Verde oder Usbekistan einen sportlichen Mehrwert beisteuern, sondern weil ihm deren wertvolle Stimmen bei der nächsten Wahl zugutekommen werden. Die Stimme der USA hat der geschmeidige Funktionär aus Brig-Glis bereits auf sicher. Er war so weise, Donald Trump den neu geschaffenen FIFA-Friedenspreis zu verleihen. Natürlich nicht aus politischem Kalkül, sondern weil ein friedensliebender Mensch wie der US-Präsident diesen Preis mehr als verdient hat.