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Wenn Essen zur Religion wird

Wenn Essen zur Religion wird
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Der Autor lehnt vegane Ernährung trotz eigener Erfahrung ab. Kritisiert die Wirksamkeit des Verzichts auf Fleisch für Tierschutz und Klimaschutz. Sieht vegan leben als parareligiöses Bekenntnis/Ritual an. Glaubt, dass Essensvorschriften eine Art Angstbewältigung in einer säkularen Welt darstellen. Wünscht den Lesern einen guten Appetit, trotz Differenzen.

Ich gebe es zu, nie würde ich freiwillig vegan essen. Als es neulich geschah, wusste ich nichts von meinem Glück. Im Gegenteil, ich hatte mich ausdrücklich beim Kellner erkundigt, und erst als dieser mich beschwichtigt hatte, ass ich das traurige Mahl, das sich im Nachhinein als vegan herausstellen sollte. An dessen Inhalt kann ich mich nicht einmal erinnern: So grauenhaft geschmacklos, gummig und undefinierbar war es. Wenn man das bei klarem Bewusstsein zu sich nimmt, dann nur, weil es ein gutes Gewissen hinterlässt – bei jenen, die ein schlechtes Gewissen haben.

Das ist bei mir nicht der Fall. Daran zu glauben, dass mein individueller Verzicht auf Fleisch auch nur ein einziges Tier vor dem Tod bewahrt oder am Ende gar das Klima rettet, ist etwa so, wie wenn ich mich morgen an den Zürichsee setze, um ihn mit einem Löffel auszulöffeln, in der Hoffnung, damit der Hitze-versengten Landwirtschaft das nötige Wasser zuzuführen. Vegan leben ist keine politische Haltung, sondern ein parareligiöses Bekenntnis.

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