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Die Wahrnehmung der Fünfzigerjahre als idyllische Zeit wird von vielen, insbesondere der jüngeren Generation, romantisiert. Sex war damals in der Schweiz kein gängiger Begriff und wurde durch andere Worte ersetzt; Verhütung war mangelhaft. Der Alltag der Menschen war geprägt von harter körperlicher Arbeit, und Freizeitaktivitäten wie Musik oder Theater waren nicht der zentrale Lebensinhalt. Der ökologische Fußabdruck war kleiner, aber nicht aus freien Stücken; soziale Errungenschaften führten zu mehr Freizeit und Mobilität. Nostalgische Darstellungen dienen unter Umständen dazu, gegenwärtige gesellschaftliche Herausforderungen zu verschleiern oder ein schlechtes Gewissen zu erzeugen.
Ein rührendes Bild der Schweiz der Fünfzigerjahre – raten Sie mal, wer es gemalt hat: «Vor allem machte man Musik, trieb Sport, las Bücher, ging ins Theater, feierte Feste, pflegte Freundschaften, spielte, hatte Sex …»
Wer war’s? Eine gediegene Achtzigjährige, die im Altersheim der alten Zeit nachtrauert? Ein SVP-Werbetexter? Ein Leserbriefschreiber, der sich über die schlimme Gegenwart beklagt? Nein, es ist eine Redaktorin des auflagenstärksten Zeitungskonglomerats, der CH-Media-Tageszeitungen («Das brenzlige Gefühl in diesem Sommer», 3. August). Mithin eine Angehörige jener Bevölkerungsgruppe, die inzwischen mehrheitlich rot-grün wählt. Wer jene Zeit miterlebt hat, der weiss: Früher war nicht alles besser. Der Sex schon gar nicht.
