Ganz knapp: →
Moderne Architektur in der Schweiz wird als unfassbar hässlich im Vergleich zur klassischen Schönheit in Florenz und Venedig wahrgenommen. Die Bauweise ist oft plump, funktional und folgt dem Massentrend, anstatt ästhetische Werte zu integrieren. Mögliche Ursachen für diese Misere sind der Einfluss des Ersten Weltkriegs, sozialistische Ideen und eine Resignation der Architekten gegenüber historischen Meisterwerken. Es wird ein Aufruf zur Veränderung der gegenwärtigen Architektur gegeben, um die Schönheit in den Städten zurückzubringen.
Wenn ein moderner Architekt nach Florenz kommt oder nach Venedig: Wie geht es ihm da? Ich vermute: Hundslausig. Denn wohin er blickt, stehen Häuser, die so viel schöner, prächtiger und eindrücklicher sind als die Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser, die er im schweizerischen Mittelland errichtet hat. Bringt er sich aus Verzweiflung um? Das würde ich mir nicht wünschen, und doch verstünde ich seine Pein.
Es ist ja nicht nur so, dass die Toskana oder selbst die Lagune von Venedig ein angenehmeres Klima aufweisen als das neblig-feuchte Mittelland, sondern die Häuser unserer Zeit sind schlechterdings hässlich. Was insbesondere der Fall zu sein scheint, seit die Zuwanderung eine Art der Verdichtung und Verschandelung unserer Landschaft vorangetrieben hat, die die Zerstörung durch die letzte Eiszeit noch erträglich wirken lassen.
Schnell und billig viel verbauen – das ist das eine. Das andere: Die Austilgung der Schönheit. Wenn ich die Werke unserer Architekten betrachte, dann ergreift mich eine Mischung von Depression, Wut und Ratlosigkeit. Was lernen die Architekten denn an der ETH? Warum haben sie einen so miserablen Geschmack? Von der Brutalo-Ästhetik des Neuen Bauens, von den Beton-Reizen eines Corbusier und anderer Faschisten/Kommunisten haben sie sich nie richtig gelöst, scheint es mir.
Schön ist unerwünscht. Plump, quadratisch, schmucklos gilt als schick. Lego-Häuser für Lego-Familien.
