Ganz knapp: →
Sechseläuten in Zürich fand diese Woche statt; der Böögg verbrannte in 12 Minuten und 48 Sekunden. Die Zünfte sträubten sich gegen den Kapitalismus, trugen aber zur wirtschaftlichen Erneuerung Zürichs bei. 1555 kamen 147 protestantische Flüchtlinge aus Locarno nach Zürich und revolutionierten die lokale Wirtschaft. Die Einwanderer brachten italienisches Wissen und Handelspraktiken mit, das Zürich in ein Handelszentrum verwandelte. Trotz anfänglicher Ablehnung durch die Zünfte integrierten sich die Locarner erfolgreich in die Stadt und veränderten die wirtschaftliche Landschaft. Sozialer Aufstieg wurde durch die politische Struktur in Zürich begünstigt, die Möglichkeiten für Außenseiter schuf.
Die Fakten: Diese Woche fand das Zürcher Sechseläuten statt. Der Böögg brannte 12 Minuten, 48 Sekunden.
Warum das wichtig ist: Ohne Zünfte gäbe es keinen Kapitalismus in Zürich – obwohl sie alles dafür taten, ihn zu verhindern. Geschichte eines Paradoxes.
1555 kamen in Zürich 147 protestantische Flüchtlinge aus Locarno an, Väter, Mütter, kleine Kinder. Sie hatten eine beschwerliche, mehrere Wochen dauernde Reise über die Alpen hinter sich,
- vertrieben aus ihrer Heimat, weil sie aus Sicht der katholisch beherrschten Tagsatzung dem falschen Glauben anhingen,
- eingeladen von Heinrich Bullinger, dem Vorsteher der reformierten Zürcher Kirche. Vor gut zwanzig Jahren hatte er die Nachfolge von Huldrych Zwingli, dem grossen Reformator der Stadt, angetreten;
- informell verfügte in Zürich keiner über mehr Einfluss als Bullinger. Was er sagte, was er wünschte, das galt.
Zwar hatten auch die übrigen reformierten Städteorte der Alten Eidgenossenschaft – Bern, Basel und Schaffhausen – das schwere Schicksal der Tessiner Glaubensbrüder beklagt und bejammert, aber am Ende war doch niemand bereit gewesen, sie aufzunehmen.
- Wusste man denn, wie lange sie blieben?
- Wie sollte man sie auch nur versorgen? Wer bezahlte ihren Lebensunterhalt? Keine triviale Frage für Protestanten, die das Geld genau zu zählen pflegten